Donnerstag, 29. September 2016

Er ist ein Gänger

Am Nachmittag sitze ich am Bouleplatz und betrachte die Dreißigjährigen, die mit Schwung ihre Boulekugeln in perfekten Bögen durch die Luft werfen, junge Männer mit Bärten, in lässiger Kleidung, kaum einer raucht, und ihre schönen Freundinnen. Ihr seid alle schön.

Die Luft schimmerte, die Silhouetten wurden undeutlich, die Stimmen klangen verzerrt. Edith hatte das alles organisiert, das Geschäft, diese Veranstaltung, das Kombinat und diesen semilegalen Club, jetzt stand sie neben uns an der Bar und notierte etwas auf einen Bestellzettel. Ihre Telefonnummer, ein Satz, der ihr dazwischen geraten war, eine Anweisung für den Luden, eine Bestellung. Den Zettel steckte sie Valerie zu, die ihn ungelesen in die Rocktasche steckte. Valerie gab mir einen Seitenblick und stand auf, um in irgendeiner Ecke in Ruhe zu telefonieren.



Kontrollwahn
Google-Alarm
Eine Zensur findet nicht statt

Berlin, ein Missverständnis? Oder liegt es an mir? schreibt B. Ich weiß, was sie meint.
Unterstädte.
Eine Künstlichkeit, die sie aufgebaut hat. Manchmal so grell, dass ich mich frage, ob sie will, dass ich sie einreiße. Die Künstlichkeit. Dieses kindliche Giggeln.
Als sie erzählt, dass sich X. von seiner Frau getrennt hat, zwei Kinder, eine Menge Schuldgefühle, und ich frage, wie alt er sei, sagt sie: 37. Echt erst? Und dann schon verheiratet? Mit Kindern? Aber ja, Leute machen das. Sogar noch früher.
Flüchtige Berührungen.
Was die Leute denken. (Angeeignetes Kleinstadtwissen: Es muss einem egal sein.)
Eine Geliebte, die er nicht aufgeben wollte. Die Ehefrau aber auch nicht. Monatelanges Ringen um eine Entscheidung.
L. kommt, um mich zu bekochen. Gestern war schon K. da. Morgen kommt A.
Ich führe Nicht-Beziehungen, das aber ziemlich erfolgreich.


Frische Bücher riechen frisch. Frisches Parkett riecht holzig. Normalerweise läuft hier Dudelmusik aus den Deckenlautsprechern, aus dem Radio. Musik, die den Raum markiert. Medienverbuchung, könnte das heißen, heißt aber anders. In einer Kirche wird »Knocking on Heaven's Door« gesungen. Glauben Sie nicht? Hören Sie mal genau hin. Immer noch nicht? Doch, da hinten, ganz leise. Knock, knock, knocking.

Die Soziologie des Glam.

Stillstand ist nicht so gut, Stillstand bedeutet den Tod, mehr oder weniger. Aber ja, es kann auch Veränderungen hin zum Schlechten geben.