Montag, 17. Oktober 2016

Ischia

Liebe ist überall Panflöte. Wenn. Bei Capri.
Anschluss an ein früheres Leben. Irgendwo zwischen IS und Ischias.

Kleine Merkliste: kein Rucksack, keine Gondeln, keine Seilbahn, keine Wanderrouten. Kein Trekking, keine Radtouren. Keine Sauna. Air BnB nur ungern, Hotelzimmer bevorzugt, keine Zelte, kein Camping, kein Glamping, keine Wohnmobile, keine Wohnwagen. Nein, ich will den Namen des Zimmermädchens nicht wissen, auch wenn ich nichts gegen Zimmermädchen habe, klassenmäßig.

Abstieg zum Meer, Tonbandspuren. Die Gärtnerinnung trifft sich zum Herbstfest in den Thermen. Bikinibilder der Teilnehmerinnen. Sprung ins Lotusbecken (40° C), dann entschlossener Kurzmarsch durchs Abklingbecken.

Sie öffnete sich mir, sie drehte sich mir entgegen, das habe ich nicht übersehen. Aber auch nicht ihren Freund, mit dem sie im Psychokrieg lag.

"Ich möchte frei sein und gehen/ zur nächsten Station", auf der grünen Suppe
geht's dahin.

Umso schlimmer für Berlin.


Das Universum bewies ihr, dass ich jemand war - auch wenn es nicht so aussah. Schließlich hatte sie mich eben verlassen. Sie hatte die Trennung still vollzogen, es auslaufen lassen, ohne mich davon in Kenntnis zu setzen. Ich erfuhr davon von Freunden. Ich erfuhr den Namen ihres neuen Liebhabers, und musste in einem ungehörten Moment laut schreien. Als ich sie wiedersah, versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen. Ich gab mich geschickt. Aber sie blieb distanziert, höflich, freundlich. Irgendwann fasste ich nach ihrer Hand, und sie ließ es gewähren, während sie über Kunst redete und dabei den Namen ihres Neuen fallen ließ. Wie kann sie auf mich verzichten? dachte ich. Hat sie vergessen, wer ich bin? Weiß sie nicht, dass ich einen Namen habe? Wir setzten uns in eine Bar, in ein Restaurant, an eine lange Tafel. Am Kopf der Tafel, uns entfernt gegenüber, saß ein älterer Mann und überlegte, wen er noch auf eine Verstaltung einladen könnte. Von der Seite bekam er meinen Namen eingeflüstert - ich konnte es hören. René Hamann!, sagte er laut und griff zu seinem Handy. Da will ich den mal anrufen! Ich wartete ab. Tatsächlich klingte kurz darauf mein Handy - ich nahm ab und sagte, er könne wieder auflegen, ich sitze ihm genau gegenüber!


Eines Abends waren wir zum Essen verabredet, in einem kleinen italienischen Restaurant. Wir saßen seitlich zueinander, ich streckte die Arme aus, sie zog die Beine zurück. Ich brachte mich mit dem ganzen Körper ein. Sie zog ihren Körper zurück, wie ein submarines Wesen. Also übten wir uns in Smalltalk. Während ich fortwährend ihre Formen musterte. Die Art, wie sie da saß und das Gewicht auf die Zehenspitzen legte, die Ferse anhob und es kurz aussah, als ob sie unsichtbare Absätze hätte. Ihre Waden. Der kurze Moment, in dem sie den Mund öffnete und ihre Zunge sich blicken ließ. Die auf den Kopf gesteckte Brille.

Zuhause hängte ich mir das Filmplakat von »Szenen einer Ehe« übers Bett. Um endlich irgendwann neben ihr zu liegen wie auf diesem Filmplakat. Bärtig, bebrillt, in blütenweißer Bettwäsche.